Noch mehr Vorbereitungen
Die zwei Tage waren vergangen, es konnte losgehen:
Kies wurde in rauhen Mengen auf dem Grund verteilt, in einem 30-Liter-Kanister
Wasser aus dem Regenbecken im Keller angeschleppt (Leitungswasser ist zu
hart) und schnaufend ins Becken gefüllt. Noch bildeten sich keine Tropfen
an der Außenseite, aber es drückten auch noch keine 300 Liter
auf die Nahtstelle, und auch der Untergrund war noch nicht mit Wasser durchdrängt.
Also wieder abwarten, derweil die Gebrauchsanweisungen von Filter, CO2-Anlage,
Heizung und Zeitschaltuhr studieren, diverse Gerätschaften ans Innere
des (mittlerweile fertigen) Schranks montieren und beten.
Nach weiteren zwei Tagen war klar, daß das Becken dicht war ("HALLELUJA!"), Wasserproben auf Schadstoffe und Nährwerte aller Art wurden erstellt: viele Becherchen mit Wasser füllen, verschiedene Substanzen aus verschiedenen Fläschchen in verschiedenen Mengen dazu und abwarten, wie die Farbe wird. Der Wohnzimmertisch sah aus, als hätte man Urinproben eines kompletten Olympia-Teams dort plaziert oder die Schwangerschaftstests eines gesamten Schuljahrgangs. Ähnlich neugierig wie vor letzterem saßen wir auch vor den Röhrchen und beobachteten das Wechseln der Farbe. Zwar ging es nicht um rosa oder blau, ja oder nein, sondern um Nitrat, Kupfer und Eisen, aber wir saßen ähnlich gebannt davor, als ginge es um Nachwuchs ja oder nein.
Die Werte waren traumhaft, "unser" Becken konnte also befüllt werden.
Ab diesem Zeitpunkt waren wir regelmäßig beim Zoohändler.
Erst wegen Pflanzen, dann zum Gucken, dann zum Informieren, zum Preisevergleichen
und schließlich, um die ersten Fische zu kaufen.
Es begann mit Bodenfischen. Drei große Welse, die sich gleich unter
der Wurzel verkrochen, und einige kleine Welse und Algenfresser, die sofort
wild auf den Pflanzen rumsaugten. Wenig später folgten zwei Glasgarnelen,
an denen ich mich kaum sattsehen konnte, schließlich zwei Schwärme
Salmler, vier kleine Fadenfische, zwei Pärchen große Fadenfische
und zwei orangefarbene Buntbarsche. Besonders schick war aber ein Pärchen
Agassiz-Barsche, dessen Männchen gleich begann, Revier zu bilden und
sich mit seinem Geprotze bei mir den Spitznamen "Macho" eingefangen
hat.
Eigenwillige Fadenfische
Eines Nachmittags fiel mir was seltsames auf: Der eine Fadenfisch schwamm immer an der Wasseroberfläche, schnappte nach Luft und blubberte dann seltsame Blasen aus. Ich überprüfte den Sauerstoffgehalt, aber der war prächtig. Ich entschied, das der Fisch wohl etwas an den Kiemen hätte und beschloß, Frank später zu fragen. Der beobachtete das Schauspiel und hatte sogleich die Lösung:
Der Fisch ist kerngesund, er baut aus den Blasen lediglich ein Nest!
Und tatsächlich, unter den Schwimmpflanzen hatte sich schon eine ganze
Menge dieser Blasen gesammelt, und er vertrieb auch alle Fische, die sich
in die Nähe dieses Pflanzen-Blasen-Gemischs trauten. Mit gespannten
Gefühlen sah ich dem Nachwuchs entgegen und betrachteten den Fisch
schmunzelnd, der immer mehr Pflanzenteile in das Gebilde einwob, sein Werk
anschaute und noch ein paar Blubberblasen nachschickte.
Seltsam war nur, daß er nicht nur alle anderen Fische aus seinem Nistplatz
vertrieb, sondern auch die Weibchen seiner Gattung. Nun gut, dachten wir
uns, er baut wohl erst fertig und kümmert sich dann um ein weibliches
Pendant.
Allerdings war er nicht mal andeutungsweise am Balzen ...
...Moment! Doch!!! Er balzte wohl!
Nur leider hatte er sich als Partner den anderen männlichen Fadenfisch
ausbedungen, der diesen Plänen jedoch nicht sehr viel abgewinnen konnte.
Schmunzelnd amüsierten wir uns über den homosexuellen Fadenfisch,
und mir fielen jede Menge Anekdoten über gleichgeschlechtliche Liebe
bei Haustieren ein, angefangen von meinem lesbischen Meerschwein, das mit
Hingabe das andere Weibchen begattete, bis hin zu den schwulen Katern meines
Exfreundes, die es auf dem Bügelbrett trieben.
So schlugen wir uns also den Gedanken an fischmäßigen Nachwuchs aus dem Kopf und ließen die Spötteleien eines Freundes tapfer über uns ergehen ("Frank hat schwule Fische ... hähähä!")