schokolade und koffein

Aquarium und Insassen — ein Erfahrungsbericht
Teil 3: Noch wilderes Leben

(22. Februar 2001)

Aufregung um Garnelen und doch noch Nachwuchs?

Der schwule Fadenfisch baute nunmehr nur noch halbherzig an seinem Nest und hatte den Gadanken an Nachwuchs wohl aufgegeben, zumindest verscheuchte er niemanden mehr und balzte das Männchen nur noch selten an.
Da wir nun keine spätere Brut mehr in Schutz nehmen mußten, konnten wir noch Fische kaufen. Es folgte noch ein zweites Weibchen für den Agassiz-Barsch (die stehen auf Harem), ein kleiner Harem (ein Männchen und zwei Weibchen) Thomasi-Barsche und ein paar Bodenfische, da von der alten Besetzung derselben leider schon einer verendet war und die anderen den Eindruck machten, im Schwarm schwimmen zu wollen (teilweise schlossen sie sich den Neons an — sowas Shizophrenes...).

Der Agassiz-"Macho"-Barsch war hocherfreut über das zweite Weibchen, die Gute war noch nicht richtig dem Beutel entschwommen, schon bebalzte er sie wie im Viagra-Rausch. Das war uns nur recht, wirkten doch seine Farben an den Flossen nur während der Balz so richtig kräftig.

Am nächsten Morgen machte ich eine Entdeckung, genauer gesagt, zwei Entdeckungen:

Das Agassiz-Weibchen hatte sich in die Ecke verzogen, verscheute alles, was in ihre Nähe kam und bedachte eine Ansammlung weißer Punkte an der Scheibe mit ihrer ganzen Aufmerksamkeit.

Holla, die hat gelaicht!!!

Ich schnappte mir Fachliteratur und informierte mich über das Brutverhalten. Über den Kommentar "Agassiz — schön, aber sehr anspruchsvoll" mußte ich doch lachen. Von wegen — kaum war das Weibchen drin, schon geht´s rund!
Die Jungfische sollten in drei Tagen schlüpfen, also spätestens übermorgen Futter für die Kleinen kaufen und evtl. Ablaichbecken, um die Kids vor den anderen Fischen zu schützen.

Ich freute mich schon auf den Nachwuchs, bis ich die Garnele sah.
Oder besser das, was von ihr übriggeblieben war. Ich dachte zuerst, sie habe sich gehäutet, wie das bei Garnelen so üblich ist, aber meiner Meinung nach werfen die nur den oberen Panzer ab. Im Wasser trieb aber — von Bodenfischen beknabbert — eine durchsichtige Hülle mit Greifern dran. Toll, dachte ich mir, über Nacht gestorben und dann gleich leergefressen, und nebenan harrt Nachwuchs; so ist wohl der Lauf der Natur.

Um auszuschließen, daß die Garnele schlechten Wasserwerten zum Opfer gefallen ist, hielt ich Ausschau nach der anderen Garnele. Die Fische mußten sowieso gefüttert werden, daher lockte ich sie mit Futter an und betrachtete sie genauer. Sie sah ganz in Ordnung aus, munter wie immer, nur hatte sie ziemlich viele Beine.

Was???

Kind, nu is aber gut! Überlaß das mal der Garnele, wie viele Beine sie für ihren Seelenfrieden benötigt!
Aber halt ... drei Paare zum Laufen, vier Paare zum Greifen, das ist nun doch etwas viel ...
Kopfschüttelnd beschloß ich, der Sache später genauer nachzugehen und betrachtete mir nochmal das brütende Weibchen, als ich die Garnele über den Stein laufen sehe.
Die hat doch gerade noch in der anderen Ecke gefressen ...

Ja, da fraß sie auch noch, und über den Stein lief die andere Garnele!

Ziemlich erleichtert war ich um das Wissen reicher, daß sich Garnelen eben doch mitsamt Greifern und Schwanz häuten und konnte der anderen beim Versuch, den Panzer abzustreifen, zusehen. Ich freute mich, Glasgarnelen gekauft zu haben, so konnte ich genau beobachten, wie sie immer wieder mit den Greifern unter die Hülle fuhr. Ich war fasziniert davon, wie sie sich abmühte und hätte ihr am liebsten geholfen.

Schließlich hatte sie sich hinter einen Stein verzogen, wo ich sie nicht mehr sehen konnte, und mit einem Seufzer und dem Gedanken, daß ein Aquarium doch ziemlich spannend ist, setzte ich mich zurück an den Rechner.

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