Keine Agassiz-Babies...
Der nächste Morgen begann mit einem "Schnüff!", als ich sah, daß die Agassiz-Brut verschwunden war. Frank vermutete, daß sie einem der Welse zum Opfer gefallen war. Die saugten ab und zu an der Scheibe herum und waren die einzigen, die wegen ihrer Größe nicht vom Agassiz-Weibchen vertrieben werden konnten.
Doch bevor wir richtig traurig sein konnten über den verlorenen Nachwuchs, der zudem beim Zoohändler wohl einiges an Geld gebracht hätte, stand schon die nächste Überraschung an der Tür bzw. am Becken.
...aber vielleicht Thomasi-Barsche?
Die Thomasi-Barsche schienen sich recht gut eingelebt zu haben in den zwei Tagen ,die sie schon im Becken waren, denn sie waren unübersehbar beim Ablaichen. Netterweise hatten sie dazu ein Blatt ganz vorne an der Scheibe des Beckens gewählt, und so konnten wir genau beobachten, wie das Weibchen die Eier ablegt und das Männchen sie kurz darauf belaichte. Von unseren Blicken ließen sie sich nicht weiter stören, und uns entfuhr ein Kichern bei dem Gedanken, was wir wohl tun würden, wenn uns jemand in 10 Zentimetern Abstand durch eine Glasscheibe beim Sex begaffen würde.
Nachmittags saßen die beiden noch immer hingebungsvoll bei ihrer Brut, befächelten das Gelege mit Sauerstoff und vertrieben andere Fische aus der Umgebung. Das bedeutete Handlungsbedarf für uns, schließlich sollte nicht wieder über Nacht der Nachwuchs dem Hunger anderer Fische zum Opfer fallen. Die dicken Welse waren glücklicherweise nur sehr selten im vorderen Bereich des Beckens, zudem waren sie satt weil eben gefüttert. Allerdings kam plötzlich die Garnele (die sich mittlerweile vom Stress des Häutens erholt hatte) zielstrebig nach vorne und klaubte sich, von der Barschfrau unbeeindruckt, ein paar Eier vom Blatt.
Hier bestand Handlungsbedarf.
Man muß Opfer bringen
Um den Schaden möglichst gering zu halten, beschlossen wir, erst mal alle Fische abzufüttern, auf daß sie nicht auf die dumme Idee kommen, ihren Speiseplan auf Barschgelege zu erweitern. Die Welse waren keine Gefahr, alle anderen Fische konnten verscheut werden, nur die Garnelen bedrohten den Nachwuchs.
Was tun?
Wir besorgten ein Ablaichbecken, das aber in diesem Fall nicht dazu dienen sollte, Nachwuchs aufzuziehen, sondern damit sollten die Garnelen isoliert werden. Schweren Herzens fing ich eine der beiden ein und setzte sie in das kleine Abteil, das ich noch notdüftig mit einer Schwimmpflanze und Futter dekorierte. Die andere schien nicht so wild auf den angehenden Barschnachwuchs zu sein, daher ließ ich sie weiter im Becken schwimmen.
Mittlerweile hat die Brut der Barsche die erste Nacht überstanden, und die Garnele hat sich in ihrem Exil beruhigt.
Und ich bin gespannt, was noch passieren wird.
[Schriftlich fortgesetzt wird dieser Bericht vorerst nicht; doch stattdessen gibt es seit Juni 2001 die Bildergeschichte über das Aquarium in Lummerland.]