schokolade und koffein

Chaostour mit Bärchen — Ein Reisebericht
Teil 1

(14. Juni 2000)

Vorwort für Uneingeweihte:

Es war einmal eine kleine rothaarige Fränkin, die verliebte sich in einen vielbeschäftigten rheinischen Bootsspediteur und er sich auch in sie. Die beiden wollten sich nach langer Zeit mal wieder treffen, um die eine oder andere Zärtlichkeit miteinander auszutauschen — doch wie?!
Das Drama begann eigentlich schon Tage vor der nicht wirklich geplanten Reise, die ich hier schildern werde — als wir uns nicht sicher waren, ob wir uns treffen, wann wir uns treffen und wo wir uns treffen. Da noch ein Transportauftrag nach Spanien anstand und Bärchen sich mit einem verrenkten Magen plagte, kamen wir in den zweifelhaften Genuß, daß unsere Planung innerhalb von 48 Stunden zigmal mit den tollsten Kombinationen umgeschmissen wurde ("ich fahre morgen zu dir!" — "nein, es geht nur, wenn ich übermorgen zu dir fahre!" — "Das klappt auch nicht, weil ... ich könnte dann nach dem Transport zu dir...")
So ging das hin und her, und nach einer kurzen, aber wirren Zeit, des Harren und Bangens stand die Sache fest:

Ich fahre mit dem Bootstransport mit nach Spanien.

Nun seht, was sich dort zutrug:

Mittwoch:

Bärchen holt mich mit dem LKW vom Bahnhof in Bingen ab (mit dem LKW wurde dort sonst niemand abgeholt...) und bewunderte die Striemen auf meinen Schultern, die ich vom Reisetaschenschleppen hatte. Dann den Hänger nebst Boot vor den Toren der Stadt wieder drangehängt und los ging´s!
Wir waren noch nicht mal über die Grenze und haben erst mal beschlossen zu schlummern — mangels LKW-Führerschein konnte ich Bärchen ja fahrttechnisch nicht ablösen. So kam es dann, daß ich mit Bärchen zwar noch nie Boot gefahren bin, aber schon mal auf nem Boot übernachtet habe.

War echt bequem und romantisch ... die Plastikplane, mit der das Boot noch verpackt war, rauschte leise im Wind und bildete mit dem Rauschen der Autobahn eine anmutige Symphonie...
Aber im Ernst: Das Bett war superbequem, und so schlummerten wir 2 Stunden länger als eigentlich geplant, da wir Meister im Ignorieren des Wecktons zweier Händiehs sind.

***

Donnerstag:

Morgens um 8 Uhr ging die Fahrt weiter.

Wenn ich so drüber nachdenke, ist es fast nicht zu glauben, daß es während der gesamten Fahrt keinerlei Pannen gab.
Bis auf die Sonne: Die schien wie doll, und so hatte ich bereits am Nachmittag eine knallrote Fresse vor lauter Sonnenbrand, war wegen Kreislaufturbulenzen total verpeilt und hab nur noch die kühle Nacht herbeigesehnt...

***

Freitag:

Um Mitternacht stellten wir LKW, Boot und den Hänger an der französisch-spanischen Grenze ab, weil um diese Uhrzeit die Zahlstelle mit Überbreite schon geschlossen war. Bärchen-Papa holte uns ab, hatte auch schon die Wohnung mit Bettwäsche, Kaffee und Handtüchern bestückt und erwähnte noch, daß der Kühlschank in der Wohnung auch voll sei.
Große Freude bei uns und nochmal Danke an den Bärchen-Papa!!!
Die Prüfung des Kühlschranks ergab 2 Flaschen Sekt, 4 Flaschen Bier und eine Flasche Mineralwasser — wenn wir uns irgendwann mal ausgeschlafen haben, konnte der Urlaub also beginnen!

Der nächste Morgen überraschte uns mit bewölktem Himmel. Das war nicht so schlimm, Bärchen war ein wenig unterwegs und ich kurierte meinen Sonnenbrand.
Große Freude bei mir, als ich gesehen hab, daß der TV läuft mit den richtigen Programmen: Ich konnte also EM-Fußball gucken!

Freitag nacht gab es im Schlafzimmer einige Probleme mit spanischer Fliege.
Nein, ich möchte hier nicht über unser Sexualleben plaudern ... Fakt ist nur, daß ich am nächsten Morgen einige böse juckende Mückenstiche hatte und erst mal mit der Bildzeitung auf die Jagd gegangen bin.
(dazu fällt mir dieser dumme Kalauer ein: Da müssen wir mit Mücken fechten, obwohl wir lieber ficken möchten...)

***

Samstag und Sonntag:

So langsam kehrten unsere Kräfte, die von der Fahrt ein wenig am Ende waren, zurück.
Gutes Essen, Einkaufen, ein wenig flanieren (wegen des schlechten Wetters war mit beachlife oder Bootfahren nix zu machen — aber als hoffnungslose Weißhaut war ich nicht wirklich böse drum) und ein bißchen auf die Piste.
Bei unserem Talent bin ich glücklich, daß wir uns beim Billard nicht schwer verletzt haben!
In der Stranddisco hatte ich dann den dummen Verdacht, von nem Typen angebaggert zu werden, der genauso aussieht, wie mein 19-jähriger Bruder... seltsames Gefühl...
Die Disco hatte zwar nen Pool, aber da wollte niemand rein — war zu kalt. Ich hatte nur nach dem Tanzen mal meine Füße reingehalten und zählte damit schon zu den Verwegensten (von nem Mann abgesehen, der sich die Klamotten vom Leib riß und mit Kopfsprung in den Pool hechtete — aber da tat wohl der Alkohol auch seinen Beitrag dazu) .

Zwei Dinge gibt es noch zu den beiden Tagen zu erwähnen:
Zum einen ist es anscheinend landestypische Tradition, daß Supermarktkassen immer dann schließen, wenn wir nach 15 Minuten Warten endlich drangekommen wären. Da hab ich meinen Spanisch-Wortschatz auf "cerrada!" erweitern können ... Mal sehen, ob ich das jemals gebrauchen kann — als Supermarkt-Kassiererin in Spanien auf jeden Fall.
Und dann hat Bärchen herausgefunden, warum der Boiler in der Küche Boiler heißt — zweimal mit dem Kopf drangestoßen macht Beule vom Boiler.

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