Vorwort für Uneingeweihte:
Es war einmal eine kleine rothaarige Fränkin, die verliebte sich in
einen vielbeschäftigten rheinischen Bootsspediteur und er sich auch
in sie. Die beiden wollten sich nach langer Zeit mal wieder treffen, um
die eine oder andere Zärtlichkeit miteinander auszutauschen doch
wie?!
Das Drama begann eigentlich schon Tage vor der nicht wirklich geplanten
Reise, die ich hier schildern werde als wir uns nicht sicher waren, ob
wir uns treffen, wann wir uns treffen und wo wir uns treffen. Da noch ein
Transportauftrag nach Spanien anstand und Bärchen sich mit einem verrenkten
Magen plagte, kamen wir in den zweifelhaften Genuß, daß unsere
Planung innerhalb von 48 Stunden zigmal mit den tollsten Kombinationen umgeschmissen
wurde ("ich fahre morgen zu dir!" "nein, es geht nur, wenn
ich übermorgen zu dir fahre!" "Das klappt auch nicht, weil
... ich könnte dann nach dem Transport zu dir...")
So ging das hin und her, und nach einer kurzen, aber wirren Zeit, des Harren
und Bangens stand die Sache fest:
Ich fahre mit dem Bootstransport mit nach Spanien.
Nun seht, was sich dort zutrug:
Mittwoch:
Bärchen holt mich mit dem LKW vom Bahnhof in Bingen ab (mit dem LKW wurde
dort sonst niemand abgeholt...) und bewunderte die Striemen auf meinen Schultern,
die ich vom Reisetaschenschleppen hatte. Dann den Hänger nebst Boot vor
den Toren der Stadt wieder drangehängt und los ging´s!
Wir waren noch nicht mal über die Grenze und haben erst mal beschlossen
zu schlummern mangels LKW-Führerschein konnte ich Bärchen ja fahrttechnisch
nicht ablösen. So kam es dann, daß ich mit Bärchen zwar noch nie Boot gefahren
bin, aber schon mal auf nem Boot übernachtet habe.
War echt bequem und romantisch ... die Plastikplane, mit der das Boot noch
verpackt war, rauschte leise im Wind und bildete mit dem Rauschen der Autobahn
eine anmutige Symphonie...
Aber im Ernst: Das Bett war superbequem, und so schlummerten wir 2 Stunden
länger als eigentlich geplant, da wir Meister im Ignorieren des Wecktons
zweier Händiehs sind.
***
Donnerstag:
Morgens um 8 Uhr ging die Fahrt weiter.
Wenn ich so drüber nachdenke, ist es fast nicht zu glauben, daß es während
der gesamten Fahrt keinerlei Pannen gab.
Bis auf die Sonne: Die schien wie doll, und so hatte ich bereits am Nachmittag
eine knallrote Fresse vor lauter Sonnenbrand, war wegen Kreislaufturbulenzen
total verpeilt und hab nur noch die kühle Nacht herbeigesehnt...
***
Freitag:
Um Mitternacht stellten wir LKW, Boot und den Hänger an der französisch-spanischen
Grenze ab, weil um diese Uhrzeit die Zahlstelle mit Überbreite schon geschlossen
war. Bärchen-Papa holte uns ab, hatte auch schon die Wohnung mit Bettwäsche,
Kaffee und Handtüchern bestückt und erwähnte noch, daß der Kühlschank in
der Wohnung auch voll sei.
Große Freude bei uns und nochmal Danke an den Bärchen-Papa!!!
Die Prüfung des Kühlschranks ergab 2 Flaschen Sekt, 4 Flaschen Bier und
eine Flasche Mineralwasser wenn wir uns irgendwann mal ausgeschlafen
haben, konnte der Urlaub also beginnen!
Der nächste Morgen überraschte uns mit bewölktem Himmel. Das war nicht
so schlimm, Bärchen war ein wenig unterwegs und ich kurierte meinen Sonnenbrand.
Große Freude bei mir, als ich gesehen hab, daß der TV läuft mit den richtigen
Programmen: Ich konnte also EM-Fußball gucken!
Freitag nacht gab es im Schlafzimmer einige Probleme mit spanischer Fliege.
Nein, ich möchte hier nicht über unser Sexualleben plaudern ... Fakt ist
nur, daß ich am nächsten Morgen einige böse juckende Mückenstiche hatte
und erst mal mit der Bildzeitung auf die Jagd gegangen bin.
(dazu fällt mir dieser dumme Kalauer ein: Da müssen wir mit Mücken fechten,
obwohl wir lieber ficken möchten...)
***
Samstag und Sonntag:
So langsam kehrten unsere Kräfte, die von der Fahrt ein wenig am Ende waren,
zurück.
Gutes Essen, Einkaufen, ein wenig flanieren (wegen des schlechten Wetters
war mit beachlife oder Bootfahren nix zu machen aber als hoffnungslose
Weißhaut war ich nicht wirklich böse drum) und ein bißchen auf die Piste.
Bei unserem Talent bin ich glücklich, daß wir uns beim Billard nicht schwer
verletzt haben!
In der Stranddisco hatte ich dann den dummen Verdacht, von nem Typen angebaggert
zu werden, der genauso aussieht, wie mein 19-jähriger Bruder... seltsames
Gefühl...
Die Disco hatte zwar nen Pool, aber da wollte niemand rein war zu kalt.
Ich hatte nur nach dem Tanzen mal meine Füße reingehalten und zählte damit
schon zu den Verwegensten (von nem Mann abgesehen, der sich die Klamotten
vom Leib riß und mit Kopfsprung in den Pool hechtete aber da tat wohl
der Alkohol auch seinen Beitrag dazu) .
Zwei Dinge gibt es noch zu den beiden Tagen zu erwähnen:
Zum einen ist es anscheinend landestypische Tradition, daß Supermarktkassen
immer dann schließen, wenn wir nach 15 Minuten Warten endlich drangekommen
wären. Da hab ich meinen Spanisch-Wortschatz auf "cerrada!" erweitern können
... Mal sehen, ob ich das jemals gebrauchen kann als Supermarkt-Kassiererin
in Spanien auf jeden Fall.
Und dann hat Bärchen herausgefunden, warum der Boiler in der Küche Boiler
heißt zweimal mit dem Kopf drangestoßen macht Beule vom Boiler.