Der Tag begann damit, daß ich im Internet meine Reiseverbindung auswählen und drucken wollte. Doch bei der Bahn gab es keine Fahrpläne, stattdessen konnte ich nur den "timetable" aufrufen.
Im Internet ist es ja nichts Neues, daß statt altbewährter Worte auf englischsprachige
Ausdrücke zurückgegriffen wird. Da werden Sitemaps statt Übersichten angeboten,
Sachen werden geshuffeled oder randomized und nicht mehr gemischt. Ich hab
da nicht wirklich was dagegen, das Internet ist eben international und englisch
verstehen die meisten.
Etwas planlos bin ich noch, was die Bildung des Partizips bei diesen Wörtern
angeht, die sich in ganz normale deutsche Sätze einschleichen und somit
auch gebeugt werden: Heißt es nun "gebookmarkt" mit dem "deutschen" t am
Ende, oder doch "gebookmarked"? Hab ich "gemailt" oder gemailed"?
Noch konfuser wird das Ganze, wenn sich das "ge" mitten ins Wort mogelt
und man etwas upgeloaded oder downgeloadet hat.
Ich kann es ja verstehen, daß man ab und an auf etwas großspurige Umschreibungen zurückgreifen möchte. In unserem Projektteam habe ich heute statt des Caterings die Abteilung "Public Relation" übernommen und mache eigentlich nur stinknormale Öffentlichkeitsarbeit (auf Sponsorship hatte ich auch keine Lust). Bei der Abhandlung über Medienkompetenz konnte ich mir nur mit Mühe das Erwähnen von "skills" und "knowledgement" verkneifen. Auch klingt "Sales Manager" halt einfach schicker als nur Verkaufsleiter und wer kann es dem Angestellten verdenken, daß er lieber accessment center assistant sein will als ein normaler Bewerbertester? Sehen wir es dem online broker nach, wenn er kein gewöhnlicher Börsenanleger sein will, der seine Geschäfte per Internet tätigt.
Doch so richtig widerlich wird es, wenn Werbung und Alltag diesen deutsch-englischen
Kauderwelsch aufgreifen und verwursten. Hat es die Werbung schon geschafft,
allein aus deutscher Sprache Mißgeburten wie "schmuseweich", "Naßhaftkraft"
und "durchschneuzfest" zu erschaffen, so läuft sie mit Hinzunahme englischer
Vokabeln erst recht zur Hochform auf.
Daß es bei McDonalds Beef & Bacon gibt und nicht Rind mit Speck, kann ich
noch nachvollziehen. Aber warum muß mein Rohrfrei "Powerschaum" haben und
nicht nur ganz normalen Kraftschaum? Ein Deo mit "Freshness Control" soll
mir dabei helfen, meine Transpiration geordnet in Wohlgeruch umzuformen,
das verstehe ich noch. Daß "soft formula" mir die Weichheit eines Produktes
verdeutlichen soll, wird mir auch mit einigem Nachdenken klar, wohingegen
sich das "after shampoo liquid" jeglichem Übersetzungsversuch entzieht.
Richtig schockiert war ich heute beim Blick in die Kühltruhe im Supermarkt.
Iglu hat eine Abart von Fischstäbchen kreiert, die etwas breiter als das
Original sind und eine feinere Panade haben. Diese Teile nannte irgendein
zugekokster Art Director (oder der Consultant oder der Assistant) doch allen
Ernstes FISCH STICKS.
Und was um Himmels Willen ist mit diesem Kinder Pingui: Wenn es den Pausensnack
im Handyformat gibt steht dann ein Kinderschnitzel bald als "Lunch im
CD-Rom-Outfit" auf der Speisekarte?
Irgendwelchen pubertierenden Dreizehnjährigen könnte man solche sprachlichen Vergehen noch nachsehen. Zu meiner Zeit war auch alles "crazy", "cool", "vintage" oder "high end". Doch ein Versuch der Anbiederung bei der jungen Generation mit der angeblich hohen Kaufkraft kann das Werbe-Denglisch nicht sein die Jugend wählt ihre Modewörter mittlerweile aus dem deutschen Wortschatz aus. Zwar mit seltsamem Idiom, aber zum Schmunzeln bringt einen das "konkrrrret fett krrrrasssss, Alder!" schon.
Dann bleibt nur noch die Schlußfolgerung, daß die Werbe- und Wirtschaftswelt
damit ihre Weltgewandtheit verdeutlichen will. Grundsätzlich ist das ja
in einer Zeit der Globalisierung und offenen Grenzen nicht schlecht, nur
machen das die Deutschen so, wie sie mit allem machen: Viel zu gründlich
und schießen damit übers Ziel hinaus bzw. treten auf dem Weg dahin in reichlich
viele Fettnäpfchen.
Es beginnt mit dem Wort "Handy", das im englischen Muttersprachland keiner
kennt, denn es heißt "mobile". Ein Pizzabringdienst würde nirgendwo auf
der Welt "Call a pizza" heißen, und vor einer Filiale der Schreibwarenkette
McPaper konnte ich neulich eine Horde Amerikaner beobachten, die sich kichernd
über den Namen lustig machten.
Ich für meinen Teil werde zwar weiterhin Projektmanagement machen und mich
dem social marketing widmen. Vielleicht mach ich noch ein bißchen Webdesign
und checke noch mal meine Mailboxen.
Doch wenn es Nacht wird in Deutschland, mache ich keine Desktop-Optimierung,
sondern ich räume den Schreibtisch auf. Dann gehe ich ins Bad und nicht
in meinen Wellnessbereich. Dort wasche ich mir das Gesicht mit einer Seife,
die meinetwegen soft foam und clearing complex haben darf. Aber dann geh
ich ins Bett statt in meinen relaxing center. Wenn ich nicht einschlafen
kann, geh ich vielleicht noch mal an den Kühlschrank aber um den
catering storage mach ich einen weiten Bogen.