Händieh-Klingeltöne.
Grundsätzlich ist das ne tolle Sache, und ich selbst habe mir ganz
fasziniert zuerst die Melodie der Sendung mit der Maus und aktuell die von
Pippi Langstrumpf aufs Händieh geladen. Doch jeder Klingelton nervt,
wenn man ihn zehnmal in fünf Minuten und dann nur die ersten zehn Töne
hört.
So geschehen gestern im ICE.
Telephonieren im Zug ist sowieso schon eine dumme Erfindung. Man ist ja quasi zum Mithören gezwungen (womit wir wieder beim Problem der nicht-deaktivierbaren Ohren wären) und erfährt allein dadurch Sachen von Mitreisenden, die einen noch nie interessiert haben. So wußte ich allein durch fünf Minuten Zwangs-Mithören, daß der Mann am anderen Ende des Abteils Software für Konsolenspiele, aber nicht PC-Spiele verkauft, sein kompletter Name und der seiner Firma wurde mir ans Ohr gedrückt, und daß er in einer halben Stunde umsteigt und dann eine Stunde drauf in Neustadt ankommt, erfuhr ich auch.
Das sind die Widrigkeiten des störungsfreien Telephonierens
im Zug, eine an und für sich seltene Vorkommnis. Denn wenn man von
Herford nach Hannover und dann über Kassel weiter nach Würzburg
fährt, eiert man ständig durch Tunnels und tausend Funklöcher.
Ich hab diese Tour ja nun schon ein paarmal mitgemacht, und was ich am Anfang
belustigend fand, nervt mich mittlerweile grenzenlos, nämlich der durchschnittliche
Verlauf eines Telephongesprächs im Zug:
[Irgendein Händiehton, entweder Standard-Nokia oder direkt aus den Top Ten Taschengewühle interessierte Blicke Mitreisender und/oder vergebliches Taschengewühle derselben Blick aufs Display]
Ah ... Hallo Kai-Uwe, ich bin grad im Zug, wie gehts?
zuhör
Ja, kurz vor Fulda, bin in einer Stunde da...
zuhör, irritierter Blick, deutlich lauter dann:
Hallo, bist noch da?
Fragender Blick aufs Display
Ah, hallo, geht wieder. Hab grad schlechtes Netz hier ...
lausch, dann BRÜLL:
Hallo??? ... Bist noch dran? ... H a l l o o o o o ...
Dieses Spielchen wiederholt sich naturgemäß mehrmals, unterbrochen
von mehreren Funklöchern und immer wieder eingeleitet vom achsooriginellen
Klingelton. Man sollte aber aufgrund der Hartnäckigkeit der Anrufer
nicht denken, daß sie etwas wirklich wichtiges mitzuteilen
hätten; es geht immer wieder um die selben Sachen:
Wann bin ich gefahren?
Wo bin ich gerade?
Hier ist das Netz grad schlecht.
Hörst du mich noch?
Es ist bekannt und immer wieder dasselbe, und bis gestern hatte ich fast vergessen, wie sehr das nervt. Doch eine Dame mit dem Klingelton von "Nehmt Abschied, Brüder" war so nett, mich wieder dran zu erinnern und hat mich und das ganze Abteil in den Genuß von fünfmal-die-ersten-Töne-von-nehmt-Abschied-Brüder gebracht, und netterweise durften wir auch hören, daß es "hier" regnet, daß der Zug in einer halben Stunde in Hannover ist und sie dann noch was trinken geht.
Aha.
Fast hätte ich ihren Klingelton mitgesungen mit
Leg´s Händieh wech, mein liebes Kind,
Du hast ja eh kein Netz.
Wenn später die Verbindung steht, ruf an
aber nich´ jetz´ ...
Doch da ich mit meinem genialen Stimm-Modul die Mitreisenden noch mehr genervt hätte als das Händiehgeklingel es vermochte, ließ ich von diesem Einfall wieder ab und zog nur genervt die Augenbrauen hoch.