schokolade und koffein

Weihnachten ist gerettet — seid ihr noch zu retten???

21. Dezember 2000

Ich sollte mir endlich abgewöhnen, neben der PC-Arbeit und dem Surfen Fernsehen anzulassen. Denn selbst wenn man auch nur mit halbem Ohr hinhört, kann das schon zu viel sein.

Das geht einmal los mit RTL.
Ein Sender, der mir seit Wochen versucht zu erklären, daß Weihnachten gerettet sei.

Da stell ich mir die Frage: War Weihnachten je ernsthaft in Gefahr???

Gut, das mit der Rinderzunge an Heiligabend kann man sich mittlerweile wohl an die Backe kleben, und Massentierhaltung bei Puten war auch wieder Thema in den Medien (Alle Jahre wieder ...) — aber davon läßt sich doch kein vernünftig denkender Mensch das Fest der Liebe, der Freude und der Pokemons und Spielkonsolen verderben.
Günter Jauch hat in SternTV über brennende Weihnachtsbäume, Adventskränze und den ganzen Schaden drumrum referiert — wird Weihnachten also von einem Feuerteufel bedroht????

Nein ...ganz falsch!!!

Weihnachten fällt nämlich ins Wasser — genauer gesagt, versinkt es in eisigen Fluten.
Zumindest im Film.
Weil nämlich: RTL zeigt Titanic (den Kassenknüller der Kinos vor ein oder mittlerweile schon 2 Jahren).

Darum ist Weihnachten gerettet.

Versteht ihr nicht??? Ich auch nicht ...

Aber Werbung muß nicht immer Sinn machen, und vor allem muß sie auch weder emanzipiert noch intelligent sein, wie das nächste Beispiel beweist:

Stellen wir uns ein noch nicht allzulange vermähltes junges Ehepaar vor, wie es so in seiner netten kleinen Wohnung dabei ist, das Frühstück einzunehmen. Der Mann — offensichtlich in Eile — zieht sein Hemd an, ohne die Knöpfe zu öffnen und es dann wieder zuzuknöpfen, sondern er stülpt es sich einfach über den Kopf.
Daraufhin entgegnet die Frau (nicht zum Mann, der ja die Bude gerade verläßt und wohl keinen Sinn hätte für ihre tiefgreifenden verbalen Ergüsse, sondern quasi gedanklich an die Außenwelt ergo den Zuschauer gewandt):

"Mein Klaus und richtiger Anwalt — wer hätte das gedacht?!"

Wir lernen hier:
Der Mann ist Anwalt, und weiterhin erfahren wir aus dem Text, daß er natürlich in einer STARkanzlei arbeitet und sie für Pflege seiner Top-Hemden, die man in einer solchen Kanzlei natürlich braucht, zuständig ist.

Feinfein...

Nun möchte ich dieser Frau, die die Hemden des angehenden Staranwalts incl. steiler Karriereaussicht offensichtlich mit an Wollust grenzender Inbrunst glättet, folgendes sagen, wenn sie mir mal begegnen würde (hoffentlich hat sie Glück und läuft mir nicht über den Weg):

"Schätzchen....", würde ich sagen (und in diesem Falle die mir ansonsten nicht geläufige und durchaus herablassend wirkende Anrede bewußt verwenden), "DEIN Klaus hat jahrelang Jura studiert und hat bestimmt hart gearbeitet in dieser Zeit. Es ist sicher schwer für Dich, das so anzunehmen und zu akzeptieren — aber es ist nun mal Fakt und es geht anderen auch so:

Wer jahrelang Jura studiert, bei dem ist nicht auszuschließen, daß er irgendwann mal Anwalt wird!"

Wenn sie das dann begriffen hat, dann würde ich ihr sagen, daß sie ihrem angebeteten Staranwalt ruhig mal eins auf die Mütze geben soll, wenn er seine Hemden nicht vernünftig anzieht. Denn so, wie er das macht, verknittern die sofort wieder — und 15-30 Minuten harte Bügelarbeit sind im Arsch und das Hemd knittrig, noch bevor es eines angehenden Staranwaltes ebenbürtig und sauber den edlen Leib desselbigen umschließt.

Doch die Staranwaltsgattin geht dem Holden nicht an die Wäsche und auch nicht mit dem Messer hinterher, sondern lächelt nur madonnenhaft und bemerkt, daß ihr Klaus das Hemdenanziehen wohl noch lernen müsse — aber weiß wären sie, weil sie dieses wunderbare Waschmittel entdeckt hat und so den Grund ihrer Bügelexcesse immer wieder mit reinweißen Hemden ausstatten kann.
Dies scheint im Übrigen ihr einziger Lebensinhalt zu sein (außer ihrem Gatten die ihm kraft seines Amtes gebührende Anbetung in geradezu verschwenderischer Fülle zukommen zu lassen).

Soweit die Erläuterung und Begründung.

Abschließend ist zu sagen:

Wer solche Spots entwirft, sollte mit Emma-Abo nicht unter zwei Jahren bestraft werden.

Doch bevor die Regierung dies rechtskräftig machen wird (ich wette, unser hemdenvergewaltigender Staranwalt wird uns hierbei keine große Hilfe sein), widerfährt den Verursachern jener beiden Clips gnadenlos und verdient die dubiose Ehre, den Towanda-schreit-BÄH-Award der Woche verliehen zu bekommen.

Hiermit ist auch der Award der Woche gerettet.

Towanda
a) nicht bügelnd
b) auch mit Titanic am Feiertag nicht mehr zu retten

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