schokolade und koffein

Der Zweck des Weines

23. Mai 2001

Der kleine, schnuffelige Supermarkt um die Ecke mit relativ hohen Preisen, 80% Rentneranteil und Schlagerbeschallung ist immer wieder für eine Überraschung gut. Seit einiger Zeit hat er jetzt sein Weinsortiment ausgebaut; Mit dem Ergebnis, daß der Markt jetzt zu etwa einem Viertel aus Weinregalen besteht und einen eigenen Weinbeauftragten hat.
Semi-humoröse Wortspiele wie "Wenn du mal weinen mußt, gehst dahin, die haben nen Weinbeauftragten" will ich hier mal außer Acht lassen, da ich noch etwas viel Witzigeres beobachten konnte:

Neulich hatte ich die Gelegenheit, diesen Weinberater in Aktion zu erleben. Da ich auch ein klein wenig Ahnung von Wein habe, war ich gespannt, was der so zu berichten hatte und drückte mich bei den MoPros rum (so wurden in der ehemaligen DDR "Molkerei-Produkte" genannt, wie mir mal jemand berichtete — auch interessant), während der Weinmensch ein älteres Ehepaar beim Weinkauf beriet.

Ich hörte Gemeinplätze wie "Der Italiener hat gute Weißweine, auch trockene. Der Franzose auch, aber die sind ganz anders als die italienischen...." Die Zuhörer nickten beeindruckt, und ich wollte schon weitergehen, da ich bei dieser Beratung wohl nichts mehr dazulernen konnte. Doch dann kam die Frage des Auditoriums zu einem ganz bestimmten Wein, welchen der Verkäufer beschrieb mit: "Das ist ein leichter Weißer, der ist so ... für den Sommer. Ein Wein für die Terrasse."

Aha.

Grinsend ging ich zur Kasse, zahlte die ganzen MoPros, die dank Wagenfüllens während gespanntem Lauschen etwa 50% mehr waren als sonst und überlegte mir, ob ich wohl daheim jeweils passende Weine für Küche, für vor dem Fernseher sitzen, für romantische Nächte im Schlafzimmer und auch fürs Klo hätte.

Und ganz besonders gespannt wäre ich auf den Wein, den er mir empfehlen würde, wenn ich frage: "Haben sie einen Wein für ... so am PC sitzen ... wenn ich mal wieder bis nachts um 2 Uhr im Internet bin...?"

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