schokolade und koffein

Towandas Top Ten vom Mai 2001

(in Klammern die Plazierung des Vormonats)

1 (2) Almette Frischkäse

Die mit dem Blondchen, das im oberen Frequenzbereich auf der Alm Lobeslieder auf den Frischkäse schmettert, den der Mann soeben schnaufend den Berg hochschleppt.
"Es ist Frische im Fäßchen..." — oh weia, mir scheint eher Leere im Köpfchen.
Nur wegen dieser durchgeknallten Ziege im Höhenrausch hab ich das Zeugs noch nicht gekauft.

 

2 (4) Kinder Bueno

Die Süße hat Schokoladenschmacht, und der Liebste schlägt vor, doch gleich "eine ganze Tafel" zu kaufen. Das kommentiert sie mit einem augenrollenden "Und wer trägt dann meine Jeans?!", tendiert lieber zu einem kleinen, aber angeblich feinen Snack und platzt nicht aus der knallengen Hose.
Na, wenn das kein Blödsinn ist...
P.S.: Ich hab mir übrigens mal überlegt, wie viele Snacks aus dem Hause Ferrero es gibt, die mit "Kinder" anfangen und bin auf neun gekommen. Wer mehr kennt, möge sich im Stillen wundern und das ganze Zeug auffuttern. Ich wette, dann paßt er in keine Hose mehr.
P.P.S.: Auch in anderen Ländern beginnen die Namen dieser Süßwaren mit "Kinder", zumindest in Italien und Spanien. Man möge mir das nachsehen, aber mich verwirrt es, wenn Überraschungseier in Spanien "Kinder Sorpresa" heißen.

 

3 (8) Iglu Rahmspinat Minis

Verona steht im Abendkleid auf einem übergroßen Spinatblock und hämmert seufzend und mini-mini-singend darauf herum. Auch, wenn ich das Problem mit dem immer zu großen Spinatblock im Singlehaushalt kenne und daher nur portionierbaren Tiefkühlspinat kaufe, wirft diese Szene bei mir diverse Fragen auf:
a) Warum hat sie zum Spinathacken ein rotes Abendkleid an?
b) Wenn sie wegen der harten Arbeit sowieso knapp bei Puste ist, warum muß sie dann auch noch singen?
c) Wenn ich nun eine Packung dieser Minis kaufe — hat die alle Verona persönlich zerkleinert?!
Ich mag keinen Spinat, der von singenden, schnaufenden Frauen im Abendkleid zerkleinert wurde, und zum Glück gibt es den portionierbaren Spinat nicht nur bei Iglu (wie in der Werbung behauptet wird), sondern schon seit Jahren bei Eismann, wo ich meine Tiefkühlkost auch erwerbe.

 

4 (-) Toffifee

Die Welt ist einfach wunderbar. Denn was soll Kindern in der heutigen Zeit außer Karies und Übergewicht noch Schlimmes passieren, wenn die Mama immer noch eine Schachtel Toffifee auf Vorrat hat?
Denn die kluge Hausfrau weiß: "Das ist Erfahrungssache. Wir haben immer volles Haus. Und irgendwann kommt dann: 'Mamaaaaa ... hast du noch Toffifee?' Und dann kann ich sagen [vor Selbstgefälligkeit fast platzt]: 'Klar! Hab ich!'"
Wo sind nur die Mütter geblieben, die ihre Kinder höflich, aber bestimmt drauf hinweisen, daß sie bereits genug Süßkram vertilgt haben und das Genörgel nach Schokolade einfach ignorieren?!

 

5 (10) Bertoli Brotaufstrich

Eigentlich hab ich an dem Spot nicht wirklich etwas auszusetzen. Was ich nur wirklich bemerkenswert finde, ist die Stimme des Sprechers beim allerletzten Satz. Nachdem die Italiener ihre Fitness und Cleverness unter Beweis gestellt haben, wird die mutmaßliche Ursache dafür (nämlich der Brotaufstrich) gezeigt, und der Sprecher sagt: "Bertoli — der Brotaufstrich mit mildem Olivenöl". An und für sich noch nichts besonderes, aber ihr müßt mal ganz genau darauf achten, WIE er es sagt. Seine Stime klingt nämlich genau so, wie gutes Olivenöl sein sollte: Zäh, dickflüssig und ölig. Er sagt auch nicht "Olivenöl", sondern "Ulivenöl", und beim "ööööööl" sieht man richtig vor sich, wie das Öl langsam und gemächlich über den Mozzarella fließt und zwischen den Tomaten verschwindet.
Ein Highlight der elektronischen Stimmbearbeitung!

 

6 (3) Das Calgon-Drama

Die Schwiegermutter muß nun die ganze Wäsche waschen, weil die doofe Kuh den falschen Wasserenthärter benutzt hat.
Ich würde gerne die Wäsche übernehmen, wenn sie stattdessen aufhören würde, uns mit ihren Waschnöten zu belangen.

 

7 (-) Frosta Filet de mar

Ein romantischer Abend zu zweit in einem kerzenerhellten italienischen Restaurant. Vielleicht bin ich ja ein wenig pingelig oder habe ein sehr dominantes Gourmet-Gen; Aber ich würde ausrasten, wenn mir da jemand Tiefkühlfisch vorsetzen würde (von dem man ja weiß, daß er entweder zerkocht, nicht komplett durchgewärmt oder ungenießbar oder alles zusammen ist).
Nicht so jedoch in der Werbung:
Genießerisch wird die Gabel abgeschlabbert, und die Krönung des Ganzen ist der asiatische Koch "fast aus Italien", der für das Auftauen des Gefrierfischs zuständig ist.

 

8 (1) e.on mit Veronika Ferres

Zum Glück kaum mehr gezeigt, aber dennoch unvergessen dank eines Verkäufers im Koksrausch und einer wasserwatenden Fäääärrääääässss.
Dadurch entstand der Beweis, daß Strom dumm macht und meine allererste Werbungskolumne.

 

9 (7) Mon Chéri (mit der Piemontkirsche)

Die wohl mit Abstand ekligste Nascherei, die man dummerweise auch immerzu geschenkt kriegt. Ich habe in meinem gesamten Bekanntenkreis recherchiert, die Dinger mag niemand.
Doch noch schrecklicher als matschige Kirschen in minderwertigem Alkohol ist der Telephondialog in der Werbung.
Sie: "Ich hab Sehnsucht nach dir..."
Er: "Ich auch ... aber du bist ja nicht hier — und ich vernasche jetzt eiskalt deine Lieblingskirschen!"
Ich fände es ja viel witziger, wenn er statt der Lieblingskirschen die Nachbarin oder Schwester der Anrufenden vernaschen und ihr das am Telephon auch gleich brühwarm erzählen würde.
Aber damit komm ich beim Producer bestimmt nicht durch...

 

10 (9) Cetebe Vitamin C

Auf die Frage, ob die Dame auch regelmäßig Vitamin C zu sich nimmt, antwortet sie mit einem klaren "Ja!". Also eigentlich alles in Butter, denkt man sich, doch dann kommt der Knaller: Die Stimme aus dem Off fragt mit moralschwangerem, drohenden Unterton: "Aber wußten Sie, daß es der Körper nicht lange speichern kann?!"
Ich finde das ganz schön gemein von der Stimme, der armen Frau so eine Angst einzujagen. Denn seinen täglichen VitaminC-Bedarf hat man fast schon gedeckt, wenn man nur an etwas vorbeigeht, was entfernt nach Zitrusfrucht aussieht. Seit mehreren Jahrzehnten sind in Mitteleuropa keine Skorbutfälle mehr aufgetaucht, also laßt das arme Mädel in Ruhe und nötigt sie nicht, euch euere sinnlosen und überflüssigen Nahrungsergänzungspräparate abzukaufen.

* * *

Und zum Schluß noch ein lauter Hilferuf aus tiefer Betroffenheit:

Kann _bitte_ mal wer etwas gegen diese nervigen Dotwins unternehmen?!?!

Die reden mich noch ganz schwindelig damit, daß ich mir irgendwelche Teile an den Bildschirm kleben soll, damit ich was gewinnen kann; allenthalben werden mir die Modalitäten der Ziehung und die Bedienungsanleitung dieser Teile nahegebracht — und dann dieser nervige rote Punkt bei den dazugehörigen Sendungen ...

Neulich habe ich im Halbschlaf auf dem Sofa statt diesem piepsigen "Bring mich zum Licht!" allen Ernstes gedacht, die Teile würden "Töte doch mich!" sagen. Ich antwortete ihnen, daß ich gar nicht töten kann, weil ich Pazifistin sei und so.
Sie antworteten: "Aber wir sind doch die Dotwins!" Das wäre ja dann was anderes, entgegnete ich und griff gelassen zum Messer.
Doch bevor ich zustechen konnte, bin ich aufgewacht.

Wenn das nicht der Beginn kompletter Aversion ist — von schleichender Verblödung mal ganz zu schweigen....

 

* * *

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