schokolade und koffein

Towandas Top Ten vom Juni 2001

(in Klammern die Plazierung des Vormonats)

1(4) Toffifee

Die Welt ist einfach wunderbar. Denn was soll Kindern in der heutigen Zeit außer Karies und Übergewicht noch Schlimmes passieren, wenn die Mama immer noch eine Schachtel Toffifee auf Vorrat hat?
Denn die kluge Hausfrau weiß: "Das ist Erfahrungssache. Wir haben immer volles Haus. Und irgendwann kommt dann: 'Mamaaaaa ... hast du noch Toffifee?' Und dann kann ich sagen [vor Selbstgefälligkeit fast platzt]: 'Klar! Hab ich!'"
Wo sind nur die Mütter geblieben, die ihre Kinder höflich, aber bestimmt drauf hinweisen, daß sie bereits genug Süßkram vertilgt haben und das Genörgel nach Schokolade einfach ignorieren?!

 

2 (5) Bertoli Brotaufstrich

Eigentlich hab ich an dem Spot nicht wirklich etwas auszusetzen. Was ich nur wirklich bemerkenswert finde, ist die Stimme des Sprechers beim allerletzten Satz. Nachdem die Italiener ihre Fitness und Cleverness unter Beweis gestellt haben, wird die mutmaßliche Ursache dafür (nämlich der Brotaufstrich) gezeigt, und der Sprecher sagt: "Bertoli — der Brotaufstrich mit mildem Olivenöl".
An und für sich noch nichts besonderes, aber ihr müßt mal ganz genau darauf achten, WIE er es sagt. Seine Stime klingt nämlich genau so, wie gutes Olivenöl sein sollte: Zäh, dickflüssig und ölig. Er sagt auch nicht "Olivenöl", sondern "Ulivenöl", und beim "ööööööl" sieht man richtig vor sich, wie das Öl langsam und gemächlich über den Mozzarella fließt und zwischen den Tomaten verschwindet.
Ein Highlight der elektronischen Stimmbearbeitung!

 

3 (-) Schlankmacher a la BMI 23, Matrikur, Natreen und Co.

Wenn mich was wirklich aufregt bei der Werbung (obwohl ich doch so gerne Werbung sehe), dann sind es diese dynamischen, durchs Bild tänzelnden Magersüchtigen, die mir in die Fresse grinsen und erzählen, wie toll sie abgenommen haben — und mit dem entsprechenden Mittelchen könnte ich das auch.
Da ist zum einen dieses Brikett, genannt Matrikur, daß im Magen aufgeht und den Hunger "ganz einfach und natürlich" verschwinden läßt. Ich will keine Quell-Briketts in meiner Wampe — wech damit!
Mit "Natreen" kann man durchs Leben tanzen, sich was gönnen und alles "ganz leicht wieder ausbalancieren" — daß das mit den Light-Produkten nicht funktioniert, weil der Körper auf sie reagiert wie auf normal gezuckerte Produkte und man stattdessen nen Höllenschmacht auf echten Süßkram entwickelt, dem man selbst mit eisernem Willen und unter Androhung von Folter und Todesstrafe nicht widerstehen kann, weiß jedes Kind.
Die Krönung ist BMI 23. "So toll abgenommen — jawoll, meine Herren!" ... und dann noch die Tante, die sich gegen Ende des Spots ins Bild drängt und den tollen Satz von sich gibt "Ach ja ... Weniger Wiegen heißt mehr Wohlbefinden!"
Ich würde mich schon wohlfühlen, wenn es auf dieser Welt nicht nur Klamotten für Magersüchtige gäbe. Jenseits von Größe 38 sollt ihr sein, ihr Kleider, und baumwollen-luftig und weich meinen Leib umschmeicheln, statt eine polyesterne, schwitzende Pellwurst aus mir zu machen.
Fast fühle ich mich schon wie Frauen um die Jahrhundertwende, als es um den Kampf gegen das Korsett ging. Wäre ich doch nur halb so erfolgreich ...
Aber diese ganzen Mittelchen zur Körpergewicht können mir gestohlen bleiben, und wenn ihr mich noch so erfolgreich angrinst!

 

4 (2) Kinder Bueno

Die Süße hat Schokoladenschmacht, und der Liebste schlägt vor, doch gleich "eine ganze Tafel" zu kaufen. Das kommentiert sie mit einem augenrollenden "Und wer trägt dann meine Jeans?!", tendiert lieber zu einem kleinen, aber angeblich feinen Snack und platzt nicht aus der knallengen Hose.
Na, wenn das kein Blödsinn ist...
P.S.: Ich hab mir übrigens mal überlegt, wie viele Snacks aus dem Hause Ferrero es gibt, die mit "Kinder" anfangen und bin auf neun gekommen. Wer mehr kennt, möge sich im Stillen wundern und das ganze Zeug auffuttern. Ich wette, dann paßt er in keine Hose mehr.
P.P.S.: Auch in anderen Ländern beginnen die Namen dieser Süßwaren mit "Kinder", zumindest in Italien und Spanien. Man möge mir das nachsehen, aber mich verwirrt es, wenn Überraschungseier in Spanien "Kinder Sorpresa" heißen.

 

5 (-) Nivea Deo Roll-On Mini

Der Mann (offenbar frisch verliebt) liegt auf dem Bett und linst lüstern zu seiner Flamme, die in ihrer Tasche rümwühlt (Hat sich eigentlich schon mal wer überlegt, wie viel Zeit man mit Taschenwühlen verbringt?! Aber das ist ein anderes Thema ...)
Er: Und, wie lange bleibst du?
Sie [betrachtet kritisch den Inhalt ihres Deorollers]: Och ... so zwei-drei Monate...
So etwas stimmt mich nachdenklich ...
Die Wohnung des Mannes sah schon so aus, als sei sie mitten in der Zivilisation — es besteht also die Möglichkeit, fehlende Toilettenartikel nachzukaufen. Vielleicht sind die beiden auch so dermaßen rattig aufeinander, daß sie es nicht aus der Tür schaffen, sondern diese zwei-drei Monate ausschließlich im Bett verbringen wollen. Aber dann ist es auch ganz egal, ob man Deoroller besitzt oder nicht, denn dann transpiriert man ständig.
Fazit: Spot ist unlogisch und blöd. Das Zeug kauf ich nicht. Ätsch!

 

6 (1) Almette Frischkäse

Die mit dem Blondchen, das im oberen Frequenzbereich auf der Alm Lobeslieder auf den Frischkäse schmettert, den der Mann soeben schnaufend den Berg hochschleppt.
"Es ist Frische im Fäßchen..." — oh weia, mir scheint eher Leere im Köpfchen.
Nur wegen dieser durchgeknallten Ziege im Höhenrausch hab ich das Zeugs noch nicht gekauft.

 

7 (-) Calgonit Powerball 3in1-Tabs

Wow, auf diese Werbung hab ich drei Wochen lange gelauert, bis ich endlich den kompletten Titel des Produkts erfaßt hatte. Fasziniert hat mich der Spot ursprünglich wegen eines "Verhörers":
Der Text "Mit herkömmlichen Geschirrspülern muß man checken-checken-checken, aber [...]", und dann der Schlußspruch "Ohne Checken kann man sich leichter ums Wesentliche kümmern!" kam bei mir an als "Ohne CHATTEN kann man sich leichter ums Wesentliche kümmern".
Es stimmt ja schon, daß man ab und an viel zu viel Zeit im Chat vertrödelt, aber den gedanklichen Bogen zum Geschirrspülmittel bekam ich trotz langen Grübelns irgendwie nicht hin — bis sich das Ganze als Hörfehler herausstellte.
Sehr viel mehr Sinn ergab der Spot allerdings auch nach dieser Aufklärung nicht; Denn wem die Zeit, die Klarspüler- und Salzauffüllen in Anspruch nehmen (max. 5 Minuten), genügt, um sich "ums Wesentliche" zu kümmern, der hat entweder sowieso genug Zeit oder nichts wirklich Wesentliches zu tun — oder ist einfach ein elender Komfort-Schnulli.

 

8 (6) Das Calgon-Drama

Die Schwiegermutter muß nun die ganze Wäsche waschen, weil die doofe Kuh den falschen Wasserenthärter benutzt hat.
Ich würde gerne die Wäsche übernehmen, wenn sie stattdessen aufhören würde, uns mit ihren Waschnöten zu belangen.

 

9(10) Cetebe Vitamin C

Auf die Frage, ob die Dame auch regelmäßig Vitamin C zu sich nimmt, antwortet sie mit einem klaren "Ja!". Also eigentlich alles in Butter, denkt man sich, doch dann kommt der Knaller: Die Stimme aus dem Off fragt mit moralschwangerem, drohenden Unterton: "Aber wußten Sie, daß es der Körper nicht lange speichern kann?!"
Ich finde das ganz schön gemein von der Stimme, der armen Frau so eine Angst einzujagen. Denn seinen täglichen VitaminC-Bedarf hat man fast schon gedeckt, wenn man nur an etwas vorbeigeht, was entfernt nach Zitrusfrucht aussieht. Seit mehreren Jahrzehnten sind in Mitteleuropa keine Skorbutfälle mehr aufgetaucht, also laßt das arme Mädel in Ruhe und nötigt sie nicht, euch euere sinnlosen und überflüssigen Nahrungsergänzungspräparate abzukaufen.

 

10 (7) Frosta Filet de mar

Ein romantischer Abend zu zweit in einem kerzenerhellten italienischen Restaurant. Vielleicht bin ich ja ein wenig pingelig oder habe ein sehr dominantes Gourmet-Gen; Aber ich würde ausrasten, wenn mir da jemand Tiefkühlfisch vorsetzen würde (von dem man ja weiß, daß er entweder zerkocht, nicht komplett durchgewärmt oder ungenießbar oder alles zusammen ist).
Nicht so jedoch in der Werbung:
Genießerisch wird die Gabel abgeschlabbert, und die Krönung des Ganzen ist der asiatische Koch "fast aus Italien", der für das Auftauen des Gefrierfischs zuständig ist.

 

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Zugabe: Der Horror-Tipp der Woche:

Wem mal so richtig der Sin nach Gruseln steht, der sollte sich um 17 Uhr eine ganze Folge "taff" auf Pro Sieben angucken — aber alles und am Stück, nicht mogeln und wegzappen, gelle?!

Denn da ist wirklich was geboten:

- Ein Moderatoren-Team, das keine 10 Minuten ohne Versprecher schafft und sich auch nicht immer einig ist, wer welche Anmoderation übernimmt — daher kommt es nicht selten vor, daß beide gleichzeitig losreden oder einfach mal keiner was sagt (was nicht unbedingt das Schlechteste ist)
— Die Moderatorin mit einer Stimme, bei der sich mir schon bei weggedrehtem Ton die Nackenhaare aufstellen
— Gekünstelte und ab und an pubertäre Anmoderationen mit fortwährendem Kichern beim Wort "Sex"
— Wertvolle Filmbeiträge zu weltrelevanten Themen wie "Sexunfälle von Jürgen D. aus M. in Spanien" und "Wahl des Spindluders 2001"

Wem also Viva-Moderatorinnen und Home-Shopping-TV nicht mehr reicht, und wer sich dringendst für Samenraub, Lothar Matthäus´ Liebesleben und den Karriere-Wiedereinstieg von Jenny E. interessiert, sollte mal reingucken — und wenn ihr es schaffen solltet, Euch die ganze Folge ohne Umschalten und Spätfolgen anzusehen, dann behaltet es für Euch und schämt Euch.

 

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