schokolade und koffein

Towandas Top Ten vom August 2001

(in Klammern die Plazierung des Vormonats)

1(5) Nivea Deo Roll-On Mini

Der Mann (offenbar frisch verliebt) liegt auf dem Bett und linst lüstern zu seiner Flamme, die in ihrer Tasche rümwühlt (Hat sich eigentlich schon mal wer überlegt, wie viel Zeit man mit Taschenwühlen verbringt?! Aber das ist ein anderes Thema ...)
Er: Und, wie lange bleibst du?
Sie [betrachtet kritisch den Inhalt ihres Deorollers]: Och ... so zwei-drei Monate...
So etwas stimmt mich nachdenklich ...
Die Wohnung des Mannes sah schon so aus, als sei sie mitten in der Zivilisation — es besteht also die Möglichkeit, fehlende Toilettenartikel nachzukaufen. Vielleicht sind die beiden auch so dermaßen rattig aufeinander, daß sie es nicht aus der Tür schaffen, sondern diese zwei-drei Monate ausschließlich im Bett verbringen wollen. Aber dann ist es auch ganz egal, ob man Deoroller besitzt oder nicht, denn dann transpiriert man ständig.
Fazit: Spot ist unlogisch und blöd. Das Zeug kauf ich nicht. Ätsch!

 

2 (-) Kinder Prof. Rhino

Was, um Himmels willen, bringt Menschen unterschiedlichster Altersstufe dazu, sich blöde grinsend vor eine Kamera zu stellen und den fürchterlichen Satz "Ich bin Schokoknacker — und Milchschaumschlürfer!" zu sagen?!?!
Ich bitte um Erklärung und werde aufgrund der Schwere des Falles das Argument "Ich war jung und brauchte das Geld" nicht gelten lassen.

 

3 (-) Zed (so´ne komische Händieh-Dingens-Firma)

Neinneinnein!!! Nicht genug, daß diese Händieh-Klingeltöne schon im echten Leben nerven wie Fußpilz und Hämmorrhoiden zusammen; nun wird man auch noch in der Werbung von einem weiblichen Comic-Teeny belästigt, der die Musik im Flugzeug zu öde ist. Daher läßt sie achsotolle Melodien aus den Charts durch ihr Händieh erzeugen und bringt damit fast das Flugzeug zum Absturz.
Tolle Wurst.

 

4 (3) Schlankmacher a la BMI 23, Matrikur, Natreen und Co.

Wenn mich was wirklich aufregt bei der Werbung (obwohl ich doch so gerne Werbung sehe), dann sind es diese dynamischen, durchs Bild tänzelnden Magersüchtigen, die mir in die Fresse grinsen und erzählen, wie toll sie abgenommen haben — und mit dem entsprechenden Mittelchen könnte ich das auch.
Da ist zum einen dieses Brikett, genannt Matrikur, daß im Magen aufgeht und den Hunger "ganz einfach und natürlich" verschwinden läßt. Ich will keine Quell-Briketts in meiner Wampe — wech damit!
Mit "Natreen" kann man durchs Leben tanzen, sich was gönnen und alles "ganz leicht wieder ausbalancieren" — daß das mit den Light-Produkten nicht funktioniert, weil der Körper auf sie reagiert wie auf normal gezuckerte Produkte und man stattdessen nen Höllenschmacht auf echten Süßkram entwickelt, dem man selbst mit eisernem Willen und unter Androhung von Folter und Todesstrafe nicht widerstehen kann, weiß jedes Kind.
Die Krönung ist BMI 23. "So toll abgenommen — jawoll, meine Herren!" ... und dann noch die Tante, die sich gegen Ende des Spots ins Bild drängt und den tollen Satz von sich gibt "Ach ja ... Weniger Wiegen heißt mehr Wohlbefinden!"
Ich würde mich schon wohlfühlen, wenn es auf dieser Welt nicht nur Klamotten für Magersüchtige gäbe. Jenseits von Größe 38 sollt ihr sein, ihr Kleider, und baumwollen-luftig und weich meinen Leib umschmeicheln, statt eine polyesterne, schwitzende Pellwurst aus mir zu machen.
Fast fühle ich mich schon wie Frauen um die Jahrhundertwende, als es um den Kampf gegen das Korsett ging. Wäre ich doch nur halb so erfolgreich ...
Aber diese ganzen Mittelchen zur Körpergewicht können mir gestohlen bleiben, und wenn ihr mich noch so erfolgreich angrinst!

 

5 (2) Bertoli Brotaufstrich

Eigentlich hab ich an dem Spot nicht wirklich etwas auszusetzen. Was ich nur wirklich bemerkenswert finde, ist die Stimme des Sprechers beim allerletzten Satz. Nachdem die Italiener ihre Fitness und Cleverness unter Beweis gestellt haben, wird die mutmaßliche Ursache dafür (nämlich der Brotaufstrich) gezeigt, und der Sprecher sagt: "Bertoli — der Brotaufstrich mit mildem Olivenöl".
An und für sich noch nichts besonderes, aber ihr müßt mal ganz genau darauf achten, WIE er es sagt. Seine Stime klingt nämlich genau so, wie gutes Olivenöl sein sollte: Zäh, dickflüssig und ölig. Er sagt auch nicht "Olivenöl", sondern "Ulivenöl", und beim "ööööööl" sieht man richtig vor sich, wie das Öl langsam und gemächlich über den Mozzarella fließt und zwischen den Tomaten verschwindet.
Ein Highlight der elektronischen Stimmbearbeitung!

 

6 (1) Toffifee

Die Welt ist einfach wunderbar. Denn was soll Kindern in der heutigen Zeit außer Karies und Übergewicht noch Schlimmes passieren, wenn die Mama immer noch eine Schachtel Toffifee auf Vorrat hat?
Denn die kluge Hausfrau weiß: "Das ist Erfahrungssache. Wir haben immer volles Haus. Und irgendwann kommt dann: 'Mamaaaaa ... hast du noch Toffifee?' Und dann kann ich sagen [vor Selbstgefälligkeit fast platzt]: 'Klar! Hab ich!'"
Wo sind nur die Mütter geblieben, die ihre Kinder höflich, aber bestimmt drauf hinweisen, daß sie bereits genug Süßkram vertilgt haben und das Genörgel nach Schokolade einfach ignorieren?!

 

7 (-) High Tec Kosmetik

Hey, ihr Aquasphären-Duftstoffe, ihr Ionenformel-Deos und Vitamin-K-wasweißich-Komplex-Kosmetikas und auch ihr Soft-Formula-Cremes! Ich liebe Euch!
Man kann richtig schön über euch lästern und fühlt sich mächtig retro und exotisch, wenn man auf seine eigene Haut schlichte Creme schmiert und ein Shampoo völlig ohne technische Extras verwendet ...

 

8 (-) CD Oldie-Collection

Ganz dynamisch stellt sich Martina van der Straaten vor und bezeichnet sich als "Oldie-Expertin". Hiermit will sie mir ihre wundervolle, von Expertenhand zusammengestellte Oldie-Kollektion aufschwatzen.
Danke, kein Bedarf, aber ein paar Fragen:
Was machen eigentlich Oldie-Experten so den ganzen Tag? Swingen die heiter zu Klängen von Elvis und den Tremeloes, schweben auf einem Hauch von The Who und lauschen versonnen Doris Day? Und was passiert, wenn man diese Oldie-Experten mit Techno und Trance beschallt? Zerfallen die dann schmerzgekrümmt zu Staub? Mag wer mit ausprobieren gehen?

 

9 (7) Calgonit Powerball 3in1-Tabs

Wow, auf diese Werbung hab ich drei Wochen lange gelauert, bis ich endlich den kompletten Titel des Produkts erfaßt hatte. Fasziniert hat mich der Spot ursprünglich wegen eines "Verhörers":
Der Text "Mit herkömmlichen Geschirrspülern muß man checken-checken-checken, aber [...]", und dann der Schlußspruch "Ohne Checken kann man sich leichter ums Wesentliche kümmern!" kam bei mir an als "Ohne CHATTEN kann man sich leichter ums Wesentliche kümmern".
Es stimmt ja schon, daß man ab und an viel zu viel Zeit im Chat vertrödelt, aber den gedanklichen Bogen zum Geschirrspülmittel bekam ich trotz langen Grübelns irgendwie nicht hin — bis sich das Ganze als Hörfehler herausstellte.
Sehr viel mehr Sinn ergab der Spot allerdings auch nach dieser Aufklärung nicht; Denn wem die Zeit, die Klarspüler- und Salzauffüllen in Anspruch nehmen (max. 5 Minuten), genügt, um sich "ums Wesentliche" zu kümmern, der hat entweder sowieso genug Zeit oder nichts wirklich Wesentliches zu tun — oder ist einfach ein elender Komfort-Schnulli.

 

10 (6) Almette Frischkäse

Die mit dem Blondchen, das im oberen Frequenzbereich auf der Alm Lobeslieder auf den Frischkäse schmettert, den der Mann soeben schnaufend den Berg hochschleppt.
"Es ist Frische im Fäßchen..." — oh weia, mir scheint eher Leere im Köpfchen.
Nur wegen dieser durchgeknallten Ziege im Höhenrausch hab ich das Zeugs noch nicht gekauft.

 

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